Die evangelische Kirchengemeinde Lobberich – Hinsbeck

 

Zur Zeit der Reformation gehörte Lobberich zum Herzogtum Geldern, in dem der neue Glaube wenig Anklang fand. Nach einer wechselvollen Geschichte waren ab 1703 die evangelischen Preußen die Herren in Lobberich. Ca. 140 Jahre später, also um 1840, zählt Lobberich die ersten evangelischen Christen, deren Zahl sich bis zur Jahrhundertwende auf rund. 300 erhöhte. Der Wunsch nach einem eigenen Gotteshaus wurde immer lauter und so mietete man 1876 an der Ecke Steeger- Elisabeth-St. einen Raum an, in dem bis 1885 Gottesdienst gefeiert wurde. 1884 erteilte die Königliche Regierung in Düsseldorf der evangelischen Gemeinde in Kaldenkirchen die Genehmigung zum Erwerb eines Grundstückes zum Zwecke der Bebauung in Lobberich. Das Gotteshaus in Form eines Betsaales wurde 1885 eingeweiht und verfügte über etwa 80 Sitzplätze und eine gebrauchte Orgel. Eine selbständige Gemeinde mit eigenem Pfarrer war man nicht, sondern man ließ sich von der Mutterkirche aus Kaldenkirchen und aus anderen Orten versorgen. 1894 wurden dann aber „mit Genehmigung des Herrn Ministers der geistlichen Angelegenheiten und des Evangelischen Ober- und Kirchenrates sowie nach Anhörung der Beteiligten... die Evangelischen in der Bürgermeisterei Lobberich und Breyell des Kreises Kempen sowie in Hinsbeck des Kreises Geldern aus der Kirchengemeinde ausgepfarrt und zu seiner selbständigen Kirchengemeinde Lobberich verbunden.“ 

 Am 1.Februar 1900 wurde E.Koenigs der erste Pfarrer mit eigener Pfarrstelle, bis dahin war er Pfarrvikar und unterstand dem kaldenkirchener Pastor. Unter Koenigs Leitung entstand auch das erste Pfarrhaus an der Jahnstr. 34 (heute Steegerstr.)im Jahre 1905/06. 1905 wurde Pfarrer Koenigs versetzt. Ihm folgten die Pfarrer Zillessen und Remmert. 1929 trat Pfarrer Dr. Kaiser sein schweres Amt an. Nach der ersten Weltwirtschaftskrise mit der Massenarbeitslosigkeit als Folge war die Gemeinde 1934 so klein geworden, daß die eigenständige Pfarrstelle aufgegeben werden musste, und der Dr. Kaiser wurde versetzt. Die Betreuung der Kirche erfolgte nun über die evangelische Kirchengemeinde Waldniel durch Hilfsprediger, zu denen ab 1939 auch Paul-Wilhelm Schmidt gehörte. Doch seine Tätigkeit wurde unterbrochen, weil er Kriegsdienst leisten musste. Erst 1946 wurde die Pfarrstelle durch ihn neu errichtet. In seine Zeit fielen u.a. wichtige Beschlüsse für das Gemeindeleben der evangelischen Christen in Lobberich, Hinsbeck und Breyell. Am 23.03.1954 beschloss das Pesbyterium einstimmig den Neubau einer Kirche auf dem erworbenen Grundstück „Brinkplatz“ Das bisherige Beethaus sollte als Gemeindezentrum beibehalten werden. Dieses Vorhaben wurde später aufgegeben und der Betsaal wurde verkauft. Die Neubaupläne sahen nun auch die Errichtung eines Gemeindezentrums an der Kirche vor. Die Einweihung erfolgte dann 1958. Schon auf seiner Sitzung im Januar 1960 befasst sich das Presbyterium mit dem Ankauf eines geeigneten Grundstückes für den Neubau eines Gemeindezentrums in Breyell, da die Gemeinde in der Nachkriegszeit immer größer geworden war. 1963 wurde der Gemeindeteil Breyell von Lobberich abgetrennt und bildete von nun an zusammen mit Bracht einen eigenen Gemeindeteil. Der Neubau konnte 1965 übergeben werden.
Nun drängten neue Aufgaben, nämlich der Neubau eines Gemeindezentrums in Hinsbeck. Diese Vorhaben wurden vom Presbyterium einstimmig beschlossen. Bereits im Februar 1962 befasste sich das Presbyterium mit der Planung eines neuen Gemeindezentrums in Hinsbeck. Die feierliche Einweihung erfolgte am 30.03.1969. Altar und Kanzel waren von der katholischen Pfarre Hinsbeck gestiftet worden.
Im Januar 1961 beschloss das Presbyterium ebenfalls einstimmig, ein neues Pfarrhaus in Lobberich zu bauen, da die Aufwendungen für Instandsetzungen des alten Hauses nicht mehr vertretbar erschienen. Die Fertigstellung fiel auf den April 1962.
Mit dem viel zu frühen Tod von Pfarrer Schmidt 1972 waren die Bautätigkeiten weitestgehend abgeschlossen. Heute zählt die evangelische KirchengemeindeLobberich-Hinsbeck ca. 3.200 Gemeindeglieder. Die Gemeinde nimmt die eigene diakonische Kompetenz wahr über Kindergarten, Kindergottesdienste, Kinderkirche, Jugendarbeit bis hin zur Männer-, Frauen- und Altenarbeit. 

 W.N.